WAS IST DAS OTT-HAUS?

Das Ott-Haus ist in die Denkmalschutzliste Bayern mit folgendem Wortlaut eingetragen:

D-3-75-156-3 Alte Regensburger Straße 7.
Wohnhaus, zweigeschossiger und giebelständiger Satteldachbau, 18. Jh., nachqualifiziert“
Im Rahmen eines denkmalpflegerischen Vorprojektes 2024 für das ehemalige Handwerkerhaus in Kallmünz stellte sich durch dentrologische Untersuchungen heraus, dass das Gebäude schon 1560 errichtet wurde.)

DIE GESCHICHTE DES OTT-HAUSES

Das Ott-Haus steht unmittelbar an der Alten Regensburger Straße im historischen Ortsteil „Gänsbügl“ am Äußeren Markt von Kallmünz. Nur eine schmale Gasse, das sogenannte Ecksteingässchen, trennt das zweigeschossige, schlicht wirkende Gebäude von seinem südlichen Nachbarhaus.
Errichtet wurde das Haus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Über Jahrhunderte diente es als Handwerkerhaus und beherbergte eine Gerberei mit Wohnbereich. Mehrfach wurde das Gebäude im Laufe seiner Geschichte umgebaut und verändert. Seine heute schlichte äußere Erscheinung erhielt es vermutlich bei Modernisierungen in der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Seinen Namen verdankt das Haus einem Besitzerwechsel im Jahr 1840. Eine historische Urkunde belegt, dass der Rotgerber Marquard Berger das Anwesen am 30. April 1840 mit Zustimmung seiner Frau Viktoria an Jakob Ott aus Nittenau, den späteren Lederermeister von Kallmünz, verkaufte. Seitdem ist das Gebäude als „Ott-Haus“, früher auch als „Bergerhaus“, überliefert.

ZUR GESCHICHTE DER BEWOHNER

Jakob Ott  Beruf Rotgerber * 27.10.1815 in Nittenau,  +15.05.1900 in Kallmünz,
und Katharina Ott, geb. Beer * 28.09.1810 in Neunburg v.W., + 23.08.1879 in Kallmünz,
geheiratet am 14.05.1840 in Kallmünz, seit 02.06.1840 wohnhaft in Kallmünz.

SPUREN VERGANGENER ZEITEN

Im Inneren des Hauses kann man viel über das entbehrungsreiche Leben der vergangenen Jahrhunderte lernen, auch wenn der im ersten Obergeschoss befindliche große Raum mit Holzkassettendecke auf einen gewissen Wohlstand der ehemaligen Besitzer hinweist.
Der große Fletz im Eingangsbereich erinnert an die handwerkliche Nutzung; im Boden sollen noch die ehemaligen Gerberbottiche eingelassen sein. Das Haus erzählt damit nicht nur von einer vergangenen Handwerkswelt. Es macht Geschichte unmittelbar erfahrbar – in seinen Mauern, Böden, Decken und Oberflächen ebenso wie in den Veränderungen, die es über Jahrhunderte erfahren hat.

VOM DROHENDEN VERLUST UND NEUEM ANFANG

Nachdem das Haus seit 1987 nicht mehr bewohnt worden war, schenkte die letzte Besitzerin das Gebäude 2020 der Marktgemeinde Kallmünz. Trotz einer geplanten Veräußerung durch die Marktgemeinde Kallmünz entstand 2020 die Idee, das Gebäude als Kreativ- und Kulturort für Kallmünz zu erhalten.
Was zunächst wie eine Vision erschien, entwickelte sich zu einem fünfjährigen Prozess intensiver ehrenamtlicher Arbeit und Überzeugungsarbeit gegenüber Politik und Verwaltung. Mit der Gründung des Vereins „Freunde des Ott-Hauses e.V.“ im Jahr 2023 erhielt diese Idee eine feste bürgerschaftliche Grundlage.
Mit dem Erbbaurechtsvertrag vom 30.12.2025 zwischen dem Verein und dem Markt Kallmünz wurde das Ott-Haus dem Verein zur Nutzung auf 50 Jahre zu einem symbolischen Pachtzins überlassen.

EIN HAUS FÜR DIE ZUKUNFT

Nun geht es darum, das historische Gebäude behutsam instand zu setzen und zugleich seine besondere Atmosphäre zu bewahren. Geplant ist ein einfacher Ausbaustandard bei größtmöglichem Erhalt der historischen Ausstattung und Oberflächen. Der gewachsene Grundriss soll dabei nicht überformt, sondern als Teil der Geschichte des Hauses sichtbar und erlebbar bleiben.
Der Verein „Freunde des Ott-Hauses e.V.“ nimmt sich dieser anspruchsvollen und kostenintensiven Aufgabe mit großem ehrenamtlichem Engagement an. Ziel ist es, das Gebäude dauerhaft zu sichern und ihm eine neue, öffentliche Bedeutung zu geben.
Aus einem ehemaligen Handwerkerhaus soll ein offener Ort für Kunst, Kultur und Begegnung werden – ein Dritter Ort mitten in Kallmünz.
Das Ott-Haus verbindet damit Vergangenheit und Zukunft: Es bewahrt die Spuren eines Hauses aus dem 16. Jahrhundert und öffnet sie zugleich für neue Ideen, künstlerische Arbeit, Austausch und Begegnung. So kann aus einem historischen Gebäude ein lebendiger Impulsgeber für Kallmünz und die Region werden.